Thailand befindet sich erneut in einer tiefen politischen Krise. Die letzten Wahlen im Jahr 2023 brachten der Elite eine klare Niederlage, und die Stimmen des Volkes waren laut und deutlich. Doch die Bemühungen, die thailändische Politik durch geheime „Deals“ und die Kontroversen der Verfassung von 2017 zu steuern, sind nach wie vor ein heiß diskutiertes Thema. Ein gängiges Ziel war, einen neuen „Strohmann“ anstelle des umstrittenen Premierministers Prayuth Chan-o-cha zu installieren. In diese tumultuöse Zeit fiel auch die Absetzung von zwei Premierministern in den letzten zwei Jahren. Obwohl es einen Versuch gab, eine Koalitionsregierung zu bilden, um die Verfassung zu ändern, scheiterte dieser letztlich an der politischen Realität.

Im August 2025 kam es zu einem weiteren Paukenschlag, als ein Premierminister vom Verfassungsgerichtshof abgesetzt wurde, was das Vertrauen in die politischen Institutionen noch weiter untergrub. Kritiker sind sich einig, dass die übermäßige Macht des Verfassungsgerichts ein ernsthaftes Problem darstellt. Mit der Suspendierung von Premierministerin Paetongtarn Shinawatra gab es derweil einen neuen Schlag für die Regierung. Das Verfassungsgericht entschied auf Basis eines geleaktes Telefongesprächs zwischen Shinawatra und dem kambodschanischen Premierminister Hun Sen, in dem sie ihren eigenen Militärchef als „Gegner“ bezeichnete – ein klarer Affront, der massive Proteste in Bangkok auslöste.

Wirtschaftliche Herausforderungen und Neuwahlen

Die politische Untätigkeit hat nicht nur die Stabilität der Regierung, sondern auch die Wirtschaft belastet. Drohende US-Zölle könnten Thailand stark treffen, da fast 20 Prozent aller Exporte in die USA gehen. Die Menschen vor Ort spüren die Unruhe, was den Vertrauensverlust in demokratische Parteien, besonders die Shinawatra-Familie betrifft. Ihr Vater, Thaksin Shinawatra, hat trotz seiner Vergangenheit an Einfluss verloren, was den Unmut der Wähler verstärkt hat. Politikwissenschaftler beschreiben die thailändische Landschaft als ein Schlachtfeld zwischen gewählten und nicht gewählten Institutionen, wobei das Militär und das Königshaus oft im Hintergrund die Fäden ziehen.

Die nächste Wahl ist für den 8. Februar 2026 angesetzt. Die politische Stimmung ist jedoch angespannt und wird von vielen als hoffnungslos wahrgenommen. Über 200.000 Bürger haben bereits eine Petition zur Einberufung eines Referendums zur Verfassungsänderung unterschrieben. Die Probleme der Verfassung von 2017 sind überdeutlich geworden und verlangen nach einer grundlegenden Reform. Eine Umfrage zeigt, dass 80 Prozent der Befragten wünschen, dass Shinawatra endgültig zurücktritt, während ein Drittel Prayuth Chan-o-cha als möglichen neuen Premierminister favorisiert. Doch angesichts der Unzufriedenheit der Bevölkerung könnten Neuwahlen ein riskantes Unterfangen sein.

Ein uneinheitliches Regierungsbild

Die gegenwärtige Koalitionsregierung hat nur eine knappe Mehrheit, nachdem der wichtigste Partner, die Bhumjaithai-Partei, nach den jüngsten Skandalen aus der Regierung ausschied. Phumtham Wechayachai hat vorübergehend die Amtsgeschäfte übernommen, jedoch bleibt Shinawatra während dieser turbulenten Zeit als Kulturministerin in der Regierung. Das politische Spiel wird kompliziert, da es laufende Ermittlungen gibt, die auch Thaksin Shinawatra betreffen, und das endgültige Urteil über Paetongtarns Absetzung steht noch aus.

Thailand gilt trotz dieser Krise als Stabilitätsanker in Südostasien. Die Herausforderungen sind jedoch nicht zu unterschätzen. Das Land muss schnellstens eine Lösung finden, um die politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen zu meistern, während die Nachbarländer, wie Vietnam, an Dynamik gewinnen und internationale Abkommen schließen.

Letztlich bleibt abzuwarten, wie sich die politischen Wogen glätten und ob Thailand nach den Wahlen 2026 einen neuen Kurs einschlagen kann. Wie die Geschäfte eines ernsthaften Indie-Rockbands: Es bleibt spannend, wer am Ende die Hauptrolle spielen wird.

Für eine detaillierte Analyse der politischen Entwicklungen in Thailand besuchen Sie bitte die Berichte von 101 World, Tagesschau und NZZ.