Am 24. Oktober 2025 sorgte die Facebook-Seite „ประชาคมแพทย์“ (Ärztegemeinschaft) für Aufregung im thailändischen Gesundheitssystem, als sie auf eine „COI-Krankheit“ (Conflict of Interest) hinwies, die dringend behandelt werden müsse. Diese Problematik wird als chronisch beschrieben und betrifft insbesondere die Sphäre der nationalen Gesundheitsversicherung, die von der National Health Security Office (สปสช.) verwaltet wird. Die Organisation, die 2002 gegründet wurde und auch als SPM bekannt ist, spielt eine zentrale Rolle bei der Bereitstellung von Gesundheitsdiensten und der Verwaltung des nationalen Gesundheitsfonds, jedoch ist ihre Funktionsweise in der Kritik.
Eine der Hauptforderungen lautet, Artikel 21 des Gesetzes über die nationale Gesundheitsversicherung abzuschaffen. Dieser Artikel erlaubt es dem Vorstand, die Prüfer selbst zu ernennen, was stets zu Interessenkonflikten führt. Der Gesundheitsminister, der zugleich Vorsitzender des Sprechers der สปสช. ist, steht hierbei unter besonderer Beobachtung, da dies die Befürchtungen über mögliche Interessenkonflikte weiter verstärkt. Kritiker bemängeln ebenfalls die populistischen Gesundheitsmaßnahmen der aktuellen Regierung, die als nicht nachhaltig angesehen werden.
Finanzielle Herausforderungen im Gesundheitssystem
Das thailändische Gesundheitssystem sieht sich zudem mit einer Überlastung konfrontiert. Immer mehr Patienten strömen ohne Überweisung in die großen Krankenhäuser, was zu finanziellen Engpässen führt. Gleichzeitig bleibt die Finanzierung gleich, während die Anzahl der Patienten stetig steigt. Diese Situation verschärft sich durch die Politik der „kostenlosen Dialyse“, die eine unzureichende Budgetplanung zur Folge hatte und die Möglichkeit für private Anbieter, Schulden einzufordern, eröffnet.
Mit dem Ruf nach einer unabhängigen Prüfbehörde (NHSAO), die direkt dem Parlament unterstellt werden soll, wird ein Schritt in Richtung mehr Transparenz im Gesundheitswesen gefordert. Diese neue Behörde hätte die Aufgabe, die Verwendung öffentlicher Gelder zu überwachen und die Transparenz im Gesundheitsfonds zu erhöhen, wobei ihre Mitglieder keine politischen Ämter innehaben und über Fachkenntnisse in relevanten Bereichen verfügen sollten. Der Ruf nach einer geregelten Kontrolle innerhalb der Gesundheitsversorgung soll das Vertrauen der Bevölkerung zurückgewinnen.
Das nationale Gesundheitsversicherungssystem
Das nationale Gesundheitsversicherungssystem, besser bekannt durch die „Goldene Karte“ oder die „30-Baht-Karte“, hat seit seiner Einführung im Jahr 2002 vielen thailändischen Bürgern Zugang zu Gesundheitsdiensten ermöglicht. Die Anspruchsberechtigten sind vor allem thailändische Staatsbürger, die ab Geburt in den Genuss dieser Leistungen kommen, sowie andere Gruppen wie Selbstständige und pensionierte Beamte ohne Pension. Die Gesundheitsdienste können in jedem zugelassenen Gesundheitszentrum in Thailand in Anspruch genommen werden, sogar in Notfällen ohne Kosten.
Seit der Einführung ist es nicht mehr notwendig, die 30-Baht-Karte vorzulegen; die Vorlage des Personalausweises reicht aus. Zudem werden die Gesundheitsansprüche auch für ausländische Arbeitskräfte in Thailand geregelt, was das System noch inklusiver macht.
Ausblick auf das thailändische Gesundheitssystem
Das thailändische Gesundheitssystem hat eine lange Geschichte, die von traditionellen Praktiken bis hin zur Einführung westlicher Schulmedizin reicht. Die Modernisierung des Gesundheitswesens wurde maßgeblich von Persönlichkeiten wie Prinz Mahidol von Songkhla vorangetrieben, dem „Vater der modernen thailändischen Medizin“. Trotz dieser Fortschritte steht das Gesundheitssystem, das zu 65 % vom Staat finanziert wird und eine hohe Impfquote aufweist, vor zahlreichen Herausforderungen, die dringend angegangen werden müssen. Der Kampf gegen die COI-Problematik und die Gewährleistung von Transparenz und Nachhaltigkeit sind dabei besonders wichtig.
Für die Gesundheit der thailändischen Bevölkerung ist es entscheidend, dass sowohl Struktur als auch Finanzierung des Systems überdacht und angepasst werden, um den künftigen Anforderungen gerecht zu werden und weiterhin eine umfassende Gesundheitsversorgung sicherzustellen.